Weniger Krankenkassen, weniger Kosten? Die Fakten zur Fusionsdebatte

Die Kernpunkte auf einen Blick

• In Deutschland gibt es 93 gesetzliche Krankenkassen. In der Politik werden Zielgrößen von etwa sechs bis zwölf Kassen genannt.
• Die Verwaltung machte 2025 rund 13 von 352 Milliarden Euro der GKV-Ausgaben aus.
• Die FinanzKommission Gesundheit empfiehlt keine Verringerung der Kassenzahl.
• Eine wissenschaftliche Auswertung findet keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Kassengröße und Verwaltungskosten.

Worum geht es in der Debatte?

Die Idee dahinter: Wenn es weniger Kassen gibt, sinken die Verwaltungskosten und damit auch die Beiträge. Die Aufgaben der Kassen bleiben nach einer Fusion aber bestehen. Rund 74 Millionen gesetzlich Versicherte brauchen weiterhin Beratung, Leistungsentscheidungen und Unterstützung im Krankheitsfall. Viele dieser Aufgaben schreibt das Gesetz vor.

Wie hoch sind die Verwaltungskosten wirklich?

Im Jahr 2025 hat die gesetzliche Krankenversicherung rund 352 Milliarden Euro ausgegeben. Davon entfielen rund 13 Milliarden Euro auf die Verwaltung. Laut den Betriebskrankenkassen fließen etwa 70 Prozent davon direkt in Beratung und Betreuung. Hinter dem Wort „Verwaltung“ steckt also oft persönliche Hilfe, zum Beispiel die Hilfe beim Antrag oder das Gespräch, in dem eine Leistungsentscheidung erklärt wird.

Sparen größere Kassen Geld?

Die FinanzKommission Gesundheit hat im März 2026 dem Bundesgesundheitsministerium 66 Maßnahmen zur Stabilisierung der Kassenfinanzen vorgelegt. Weniger Krankenkassen gehören nicht dazu. Laut Kommission hängen die Verwaltungskosten pro versicherter Person nicht eindeutig von der Größe einer Kasse ab.
Eine Untersuchung im ifo Schnelldienst 7/2026 kommt mit Daten der Jahre 2018 bis 2024 zu einem ähnlichen Ergebnis. Die Autoren verweisen auf Österreich. Dort wurden 2020 neun Gebietskrankenkassen zusammengelegt. Die erhofften Einsparungen blieben aus und die Verwaltungskosten stiegen.
Ein Blick auf Deutschland zeigt Ähnliches. Seit 1992 sind laut den Betriebskrankenkassen mehr als 1.100 Krankenkassen fusioniert oder vom Markt verschwunden. Ein spürbarer Spareffekt ist bisher ausgeblieben. Fusionen kosten außerdem zunächst Geld, etwa für neue IT-Systeme, Prozesse und Verträge.

Was würde sich für Versicherte ändern?

Solange alles gut läuft, merken die meisten kaum etwas von ihrer Krankenkasse. Wichtig wird sie, wenn jemand krank wird, Angehörige Pflege brauchen oder ein Antrag abgelehnt wird. Dann hilft eine Ansprechperson, die erreichbar ist und die Situation kennt. Betriebskrankenkassen sind eng mit Betrieben, Arztpraxen und Kliniken in ihrer Region vernetzt. Nach ihrer Einschätzung würden mit weniger Kassen auch die Auswahl und die persönliche Betreuung abnehmen.

Welche Alternativen gibt es?

Dass die gesetzliche Krankenversicherung finanziell unter Druck steht, bestreitet niemand. Die Betriebskrankenkassen schlagen drei Maßnahmen vor:
• Beiträge für Bürgergeldbeziehende kostendeckend finanzieren: Der Bund gleicht diese Kosten bisher nicht vollständig aus.
• Mehrwertsteuer auf Arzneimittel senken: Verschreibungspflichtige Medikamente sind ein großer Ausgabenblock der Kassen.
• Versicherungsfremde Leistungen aus Steuermitteln bezahlen: Was die ganze Gesellschaft betrifft, sollte nicht dauerhaft über Beiträge finanziert werden.

Warum wir darüber berichten

Gesundheitspolitik wirkt oft weit weg. Entscheidungen über die Zukunft der Krankenkassen betreffen aber alle, die gesetzlich versichert sind. Wir finden es wichtig, dass Sie die Fakten kennen und sich selbst eine Meinung bilden können. Deshalb bereiten wir solche Themen kompakt und zeitgemäß für Sie auf.

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